Erde

Samstag, 18. April 2026

Die Familien Rothschild und Rockefeller

   Die Familien Rothschild und Rockefeller 


Video Link anklicken: Tiktok - Person oder Mensch ???



Video Link anklicken: Tiktok - Der Zaubertrick der ausweichenden Grund Kennion



Link anklicken: https://aksoygedichte.blogspot.com/2026/02/funktion.html?m=1


Die Familien Rothschild und Rockefeller, zwei der einflussreichsten Finanzdynastien der Geschichte, festigten ihre Verbindung 2012, als RIT Capital Partners von Lord Jacob Rothschild eine Beteiligung von 37 % an der Vermögensverwaltungsgesellschaft von David Rockefeller erwarb. Diese Allianz verband europäische Bankentradition mit amerikanischer Industriedominanz und stärkte ihre Position in der globalen Vermögensverwaltung.
Wichtige Fakten zur Allianz und den Dynastien:
  • Kooperation 2012: Die Allianz zwischen RIT Capital Partners und Rockefeller Financial Services sollte die Zusammenarbeit bei Investitionen und die Verwaltung von Vermögen über Generationen hinweg fördern.
  • Historische Verbindung: Die Familien pflegten bereits seit den 1960er Jahren persönliche Beziehungen.
  • Rothschild-Dynastie: Begann im 18. Jahrhundert in Frankfurt, wurde zur führenden Bankiersfamilie in Europa (Investmentbanking, Vermögensverwaltung).
  • Rockefeller-Dynastie: Begründet durch John D. Rockefeller, dominierte das Ölgeschäft (Standard Oil) und später den Bankensektor (Chase Manhattan Bank).
  • Verschwörungsmythen: Beide Familien, insbesondere die Rothschilds aufgrund ihrer jüdischen Herkunft, sind oft Ziel antisemitischer Verschwörungstheorien, die ihnen fälschlicherweise die Kontrolle über das Weltgeschehen zuschreiben.
Die Verbindung der beiden Familien wird oft als Allianz des "Geldadels" bezeichnet und bündelt immense finanzielle Ressourcen und Einfluss.
Allianz des Geldadels Rockefellers und Rothschilds verbünden sich. Zwei der bekanntesten Wirtschaftsdynastien schließen sich in der Finanzkrise zusammen. Der Ro...
Spiegel



Die Namen Rothschild und Rockefeller stehen für zwei der einflussreichsten Wirtschaftsdynastien der Geschichte, die oft als Symbole für den europäischen Adel des Geldes und den US-amerikanischen Industriekapitalismus betrachtet werden.
1. Historischer Hintergrund
  • Die Rothschilds (Europa): Die jüdische Familie stammt aus Frankfurt am Main, wo Mayer Amschel Rothschild im 18. Jahrhundert den Grundstein legte. Er entsandte seine fünf Söhne in die wichtigsten europäischen Finanzzentren (London, Paris, Wien, Neapel), wodurch das damals größte Bankhaus der Welt entstand. Sie waren maßgebliche Finanziers europäischer Staaten im 19. Jahrhundert.
  • Die Rockefellers (USA): Ihr Aufstieg begann im 19. Jahrhundert mit John D. Rockefeller, der durch die Gründung von Standard Oil zum reichsten Mann der modernen Geschichte wurde. Die Familie dominierte über Jahrzehnte den Ölsektor und das Bankwesen (insbesondere die Chase Manhattan Bank) und ist heute vor allem für ihre philanthropischen Tätigkeiten bekannt.
2. Strategische Allianz (2012)
Obwohl sie oft als Rivalen wahrgenommen wurden, kam es im Jahr 2012 zu einer historischen Annäherung:
  • Partnerschaft: Der britische Investmenttrust von Lord Jacob Rothschild (RIT Capital Partners) kaufte einen Anteil von 37 % an der Vermögensverwaltung der Rockefellers (Rockefeller Financial Services).
  • Ziel: Die Allianz sollte die transatlantischen Geschäftsbeziehungen stärken und Synergien bei der Verwaltung großer Vermögen schaffen.
3. Unterschiede und Gemeinsamkeiten



MerkmalRothschild-Dynastie
Ursprung18. Jh., Frankfurt am Main (Europa)
KernbereichBankwesen & Investmentbanking 
Status heuteIn diverse Zweige verzweigt; aktiv in Finanzwesen und Weinbau



Merkmal
Rockefeller-Dynastie
Ursprung 19. Jh., USA
Kernbereich
Ölindustrie & Philanthropie
Status heute
Fokus auf Vermögensverwaltung und Stiftungen


4. Bedeutung in Verschwörungsmythen
Beide Familiennamen werden regelmäßig in antisemitischen und antikapitalistischen Verschwörungserzählungen instrumentalisiert. Den Familien wird dabei oft fälschlicherweise unterstellt, das Weltgeschehen, Finanzmärkte oder politische Ereignisse im Hintergrund zu lenken. Experten wie jene vom Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund weisen darauf hin, dass diese Narrative oft auf jahrhundertealten Vorurteilen basieren.



Rothschild (Familie)

Adelsgeschlecht, das von Mayer Amschel Rothschild abstammt

Rothschild ist der Name einer jüdischen Familie, deren Stammreihe sich in Deutschland ab 1500 urkundlich belegen lässt. Ihre Mitglieder sind seit dem 18. Jahrhundert vor allem als Bankiers bekannt geworden. Sie zählten im 19. Jahrhundert zu den einflussreichsten und wichtigsten Finanziers europäischer Staaten. Das Stammhaus des Bankgeschäfts war M. A. Rothschild & Söhne in Frankfurt; die Familie ist weiterhin über verschiedene Nachfolgeinstitute im Bankgeschäft tätig, hauptsächlich im Investmentbanking und der Vermögensverwaltung.

Freiherrliches Wappen Rothschild
Stammsitz der Rothschildfamilie in der Frankfurter Judengasse

Während der längsten Phasen des Langen 19. Jahrhunderts zwischen 1815 und 1914 war die Familie Rothschild im Besitz der weltgrößten Bank. Bis 1860 war die Firma N M Rothschild & Sons als eine Unternehmensgruppe mit fünf eigenständigen Niederlassungen organisiert. Die Bezeichnung Haus Rothschild, das sowohl von den Familienmitgliedern als auch ihren Zeitgenossen im 19. Jahrhundert verwendet wurde, weist auf die enge Verbindung der Geschichte des Unternehmens mit der Familiengeschichte hin. Laufend überarbeitete und erneuerte Gesellschaftsverträge regelten dabei die gemeinsame Geschäftstätigkeit und die Aufteilung der daraus entstehenden Gewinne. Der Schwerpunkt der Tätigkeit des familieneigenen Bankhauses lag im 19. Jahrhundert im internationalen Anleihengeschäft. Dazu kamen der Handel mit Edelmetallen, die Annahme und Diskontierung von Handelswechseln, Devisengeschäfte und die Vermögensverwaltung für wohlhabende Privatkunden. Die Rothschilds gehörten außerdem zu den wesentlichen Geldgebern der entstehenden Bahngesellschaften.

Der Historiker Niall Ferguson hat den Aufstieg der Familie Rothschild als eine der bemerkenswertesten Fallstudien der Sozialgeschichte des 19. Jahrhunderts bezeichnet.[1.1]

Dem in der Frankfurter Judengasse geborenen Mayer Amschel Rothschild, der als der Gründer der Rothschilddynastie gilt, war es noch verboten, außerhalb des Frankfurter Ghettos Grundbesitz zu erwerben. Seine Söhne zählten dagegen zu den wohlhabendsten Europäern und wurden in Österreich und England in den Adelsstand erhoben.

Geschichte des Hauses Rothschild

Der Aufstieg Mayer Amschel Rothschilds

Mayer Amschel Rothschild (* 23. Februar 1744; † 19. September 1812 in Frankfurt am Main) war der Begründer der Rothschilddynastie. Seine Vorfahren, darunter Isaak Elchanan, hatten seit spätestens Mitte des 16. Jahrhunderts im Ghetto der Stadt Frankfurt, der Judengasse, gelebt. Zu dieser Zeit waren Häuser in Frankfurt nicht durch Hausnummern, sondern beispielsweise durch verschiedenfarbige Schilder oder besondere Warenzeichen gekennzeichnet. Da die Familie über Generationen in dem „Haus zum Rot(h)en Schild“ wohnte, etablierte sich bereits im 17. Jahrhundert der Familienname „Rothschild“. Daran änderte sich auch nichts, als man 1664 in das „Hinterhaus zur Pfanne“ zog.

Mayer Amschel Rothschild

Mayer Amschels Vater, Amschel Moses Rothschild, betrieb in der Judengasse ein Geschäft für den Handel mit Kleinwaren und Geldwechsel. Der Sohn besuchte zunächst eine jüdische Elementarschule in der Judengasse. Vermutlich in der Absicht, Rabbiner zu werden, besuchte er danach die Talmudschule in Fürth. Aufgrund des frühen Todes seiner Eltern brach er die Ausbildung 1756 ab. Er wurde für einige Jahre nach Hannover geschickt, wo er in der Firma von Wolf Jakob Oppenheim arbeitete. Dieser gehörte der weitverzweigten Familie Oppenheim an, von denen ein Familienmitglied zu dieser Zeit in Bonn einer der Hoffaktoren von Clemens August von Bayern war.[1.2] Hoffaktoren waren selbständige Kaufleute, die die Adelshöfe mit verschiedenen Luxusgütern belieferten, für sie Finanzgeschäfte tätigten oder ihnen Kredite vergaben. Zu den Betätigungsfeldern von Hoffaktoren, die häufig Juden waren, gehörte auch die Beschaffung antiquarischer Münzen und anderer Sammelstücke für die fürstlichen Kuriositätenkabinette.

Wieder nach Frankfurt zurückgekehrt, machte sich Mayer Amschel um 1764 mit zwanzig Jahren in der Judengasse als Münz- und Wechselhändler selbständig. In Hannover hatte er den Münzsammler General von Estorff kennengelernt, und dank dieser Beziehung konnte Mayer Amschel Rothschild wiederholt Münzen an das Münzkabinett des Erbprinzen und späteren Kurfürsten Wilhelm von Hessen in Hanau verkaufen. 1769 reichte Mayer Amschel eine Bittschrift ein, ihm den Titel eines Hoffaktoren zu verleihen, was daraufhin gewährt wurde. Am 21. September 1769 konnte er die Plakette mit dem Wappen von Hessen-Hanau und der Inschrift M. A. Rothschild, Hoflieferant Seiner Erlauchten Hoheit, Erbprinz Wilhelms von Hessen, Graf von Hanau vor seinem Geschäft anbringen. Dieser Titel war zwar nicht mit besonderen Rechten verbunden, war aber eine prestigeträchtige Referenz gegenüber den Kunden.

Am 29. August 1770 heiratete Mayer Amschel Gutle Schnapper (* 23. August 1753; † 7. Mai 1849), die 17-jährige Tochter von Wolf Salomon Schnapper, einem der Hoffaktoren des Fürstentums Sachsen-Meiningen. Gutle Schnapper brachte eine Mitgift von 2400 Gulden mit in die arrangierte Ehe, was etwa dem Jahreseinkommen ihres Mannes entsprach.[2] Das Paar bekam zwischen 1771 und 1792 insgesamt zwanzig Kinder, von denen fünf Söhne und fünf Töchter das Erwachsenenalter erreichten. Ein wachsendes Einkommen ermöglichte es der ebenfalls wachsenden Familie, 1785 das Haus zum Grünen Schild zu erwerben, eines der größten Häuser in der Judengasse. Es wurde zum Stammhaus der Rothschilddynastie.

Beginn der Finanzgeschäfte

Der geschäftliche Durchbruch erfolgte jedoch auf einem ganz anderen Feld. Im Jahr 1789 gelang Mayer Amschel Rothschild erstmals ein bedeutender Einstieg in das Bankgeschäft, als er mit Wilhelm, der seit 1785 als Landgraf Wilhelm IX. von Hessen-Kassel in Kassel residierte, ein Wechseldiskontgeschäft abschließen konnte.

Wilhelm IX. war einer der reichsten Fürsten im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Die Grundlage dieses Vermögens hatte sein Vater, Landgraf Friedrich II. von Hessen-Kassel, gelegt, indem er hessische Soldaten an die englische Krone verkaufte, die diese gegen die nach Unabhängigkeit strebenden Nordamerikaner einsetzte (siehe auch: Soldatenhandel unter Landgraf Friedrich II. von Hessen-Kassel). Die Finanzgeschäfte mit dem Landgrafen stiegen zunächst aber nur langsam an. Erst mit der Beteiligung Rothschilds an dem Verkauf einer Geldanleihe an den Landgrafen im Jahr 1800 begannen die Bankgeschäfte erheblich im Umfang zu wachsen. Die Ernennung Mayer Amschel Rothschilds 1801 zum Hoffaktoren von Hessen-Kassel unterstrich seine steigende Bedeutung für die Finanzgeschäfte Wilhelms. 1804 konnte er erstmals allein eine Staatsanleihe auflegen und verkaufen. Es handelte sich dabei um eine Anleihe des dänischen Staats, die Rothschild zur Gänze an den 1803 zum Kurfürsten aufgestiegenen Wilhelm vermitteln konnte.

Wilhelm I. von Hessen-Kassel – ein Wechsel­diskont­geschäft mit diesem Fürsten begründete das Bank­geschäft der Rothschilds

Entscheidend für den wachsenden Erfolg Mayer Amschel Rothschilds bei den Finanzgeschäften mit Wilhelm I. war dessen wichtigster Finanzberater und Vermögensverwalter, Carl Friedrich Buderus von Carlshausen. Mit diesem hatte Rothschild bereits in der Zeit als Hoffaktor in Hanau enge Beziehungen geknüpft. Beide Männer verband der Aufstieg aus bescheidenen sozialen Verhältnissen. Je weiter Buderus am Hof Wilhelms aufstieg, desto mehr sorgte er dafür, dass die etablierten Bankiers des Kurfürsten (z. B. Bethmann) zu Gunsten Rothschilds verdrängt wurden.

Als Kassel 1806 von französischen Truppen besetzt wurde und Wilhelm I. sich fluchtartig ins Exil (erst in das Herzogtum Schleswig, damals Teil Dänemarks, dann nach Prag, damals Teil des österreichischen Kaiserreichs) begeben musste, gelang es Buderus unter großen Schwierigkeiten, den größten Teil des immensen Geldvermögens des Kurfürsten vor französischem Zugriff zu retten. Als nunmehr wichtigster Finanzberater des Kurfürsten nutzte Buderus ab 1807 ausschließlich die Dienste Mayer Amschel Rothschilds und seiner fünf Söhne Amschel, Salomon, Nathan, Kalman und Jakob. Bis zur Vertreibung der französischen Armee aus dem Kurfürstentum 1813 wickelten diese in ganz Europa Wilhelms Finanztransaktionen diskret und zuverlässig ab.

Wandel zum Familienunternehmen

Die zunehmende Größe, Komplexität und Internationalität seiner Geschäfte veranlassten Mayer Amschel Rothschild 1810, sein Unternehmen auf eine breitere Basis zu stellen. In einem neuen Gesellschaftervertrag nahm er seine Söhne als vollwertige Geschäftspartner in das Unternehmen auf. Der Vater stand zwar weiterhin an der Spitze des Unternehmens, die Last der alltäglichen Arbeit lag aber nun auf den Schultern der Söhne. Als nach außen sichtbares Zeichen der Neuerungen trug die Firma fortan die Bezeichnung „Mayer Amschel Rothschild und Söhne“.

Mayer Amschel konnte sich nun stärker um ein anderes Anliegen kümmern: die Emanzipation der Frankfurter Juden. Wiederholte schriftliche Interventionen bei dem von Napoleon eingesetzten Großherzog von Frankfurt, Karl Theodor von Dalberg, führten schließlich am 7. Februar 1811 zur Verkündung eines Emanzipationsediktes. Damit wurden die Frankfurter Schutzjuden den übrigen Bürgern rechtlich gleichgestellt. Bevor aber das Edikt Rechtskraft erlangen konnte, musste die jüdische Gemeinde beträchtliche Geldsummen an die Stadt Frankfurt zahlen. Kurz vor seinem Tod am 16. September 1812 wurde Mayer Amschel schließlich noch Mitglied des Frankfurter Wahlkollegiums.

In seinem Testament verfügte Mayer Amschel Rothschild, das Familienunternehmen als Ganzes zu erhalten. Für dessen Führung legte er ein strenges Reglement fest:

  • Alle Schlüsselpositionen sind mit Familienmitgliedern zu besetzen.
  • An Geschäften dürfen nur männliche Familienmitglieder teilnehmen.
  • Der älteste Sohn des ältesten Sohnes soll Familienoberhaupt sein, soweit die Mehrheit der Familie nicht anders entscheidet.
  • Es soll keine juristische Bestandsaufnahme und keine Veröffentlichung des Vermögens geben.

Aufstieg unter Nathan Mayer Rothschild

Eine zentrale Rolle im Aufstieg zur wichtigsten europäischen Finanzinstitution spielte Mayer Amschels Sohn Nathan Mayer Rothschild, der 1799 nach England ausgewandert war. Nathan Rothschild hatte die ersten zehn Jahre in Großbritannien überwiegend im neu industrialisierten Norden Englands verbracht, wo er Textilien aufkaufte und nach Deutschland exportierte.[1.3] Der Einstieg ins Bankgeschäft erfolgte erst 1811 und hing zu einem Teil damit zusammen, dass der größte Teil des kurfürstlichen Vermögens aus englischen Staatsanleihen bestand. Die jährlichen Zinsen hierfür wurden jedoch in London ausgezahlt und konnten infolge von Krieg und Kontinentalsperre nur mit großen Schwierigkeiten an den Kurfürsten transferiert werden. Die Kontinentalsperre war eine von Napoleon am 21. November 1806 in Berlin verfügte Wirtschaftsblockade über die britischen Inseln, die bis 1814 in Kraft blieb. Nathan erhielt wegen der eingeschränkten Transfermöglichkeiten ab 1809 den Auftrag, für die Dauer des Krieges die anfallenden Zinszahlungen neu anzulegen.

Auch konnte Nathan Rothschild seine Dienste bei der Besoldung der britischen Truppen anbieten. Die britische Regierung verfügte zwar durch den Verkauf von Anleihen über hinreichend finanzielle Mittel. Doch in den Ländern, in denen ihre Truppen kämpften, wurden britische Zahlungsmittel nicht akzeptiert, so dass sich die Regierung gezwungen sah, ihren Truppenführer Wellington mit Goldmünzen zu versorgen. Der Auftrag zur Beschaffung der Münzen ging im Januar 1814 an Nathan Rothschild. Das Haus Rothschild verfügte zu diesem Zeitpunkt bereits über europaweite Verbindungen. Trotzdem war die Transaktion für die Rothschilds eine finanzielle und logistische Herausforderung. Das Risiko wurde mit Provisionen zwischen zwei und sechs Prozent der beschafften Mittel vergolten. Die im Auftrag der britischen Krone angekauften und transferierten Münzen entsprachen nach einer Schätzung des damaligen britischen Zahlmeisters John Charles Herries bis Juni 1814 etwa 12,6 Millionen Francs.[1.4] Ein Kommentar von J. C. Herries zeigt jedoch auch den allgegenwärtigen Antisemitismus des 19. Jahrhunderts:

“Rothschild of this place has executed the various services entrusted to him in this line admirably well, and though a Jew, we place a good deal of confidence in him.”

„Der hier ansässige Rothschild hat die verschiedenen Aufträge, die wir ihm anvertraut haben, hervorragend ausgeführt, und obwohl er ein Jude ist, haben wir ein gutes Maß an Vertrauen zu ihm.“[3.1]

Als am 1. März 1815 Napoleon aus seinem Exil auf der Insel Elba fliehen und an der Spitze der ihm entgegengesandten Armee nach Paris zurückkehren konnte (20. März 1815), begann das Haus Rothschild erneut damit, in ganz Europa Gold für die britischen Truppen aufzukaufen. Nathan Mayer Rothschild ging dabei von der Annahme aus, dass der kommende Krieg – wie alle bisherigen Napoleonischen Kriege – lange dauern würde. Anfänglich gelangen Napoleon auch einige Erfolge, doch mit der Niederlage in der Schlacht bei Waterloo am 18. Juni 1815 endete die Herrschaft der Hundert Tage und damit Napoleons Macht in Europa. Das von Rothschild in Fehleinschätzung gehortete Gold drohte im Wert zu verlieren und dem Haus einen finanziellen Verlust zu bescheren. Um dies zu verhindern, kaufte Nathan Rothschild mit dem Gold britische Staatsanleihen. Er nahm an, dass nach dem Ende des Krieges und dem sinkenden Finanzbedarf auch weniger britische Anleihen emittiert würden, was eine Kurssteigerung bei den bereits platzierten Anleihen zur Folge hätte. Da die meisten Anleger damals eine Niederlage der Briten fürchteten, konnte Nathan Mayer Rothschild billig britische Staatsanleihen kaufen. Rothschilds Vermutung war richtig, und als er zwei Jahre später die Wertpapiere verkaufte, waren sie um mehr als 40 Prozent gestiegen. Niall Ferguson schätzt, dass das Haus Rothschild mit diesem Geschäft einen Gewinn realisierte, der im Jahr 2009 einem Gegenwert von 600 Millionen britischen Pfund entsprochen hätte.[3.2]

Die Aktivitäten der Rothschild-Brüder in Europa

Die Rothschild-Söhne stiegen binnen weniger Jahrzehnte zu den führenden Bankiers Europas auf. Jeder von ihnen wurde geadelt. Sie finanzierten Kriege, Staaten, Unternehmen, Eisenbahnen und waren z. B. am Bau des Suezkanals beteiligt. Die fünf Niederlassungen in Frankfurt, Wien, London, Paris und Neapel operierten zwar unabhängig voneinander, waren jedoch durch einen alle fünf Jahre überarbeiteten und erneuerten Vertrag miteinander verbunden. Geschäftliche Operationen erfolgten meist in enger Zusammenarbeit. Die erzielten Gewinne wurden sowohl nach Leistung als auch nach familiären Verpflichtungen unter den Brüdern und ihren Nachkommen aufgeteilt. Trotz immer wieder auftretenden Interessenkonflikten erneuerten die verschiedenen Familienzweige bis 1905 den Partnervertrag immer wieder.

Das Haus Rothschild spielte vor allem eine große Rolle an der Londoner Börse, die sich seit der Glorious Revolution von 1688 langsam, aber stetig zu einem der wesentlichen europäischen Finanzplätze entwickelt hatte. Zwischen 1815 und 1859 war die Londoner Filiale an der Emittierung von 14 verschiedenen Staatspapieren beteiligt. Das Nominalvolumen der emittierten Wertpapiere entsprach 43 Millionen britischen Pfund und damit mehr als fünfzig Prozent aller Wertpapiere, die in London emittiert wurden. Britische Staatspapiere spielten dabei eine große Rolle. Aber auch die Regierungen von Frankreich, Preußen, Österreich, Neapel, Belgien und Brasilien nahmen die Dienste des Bankhauses in Anspruch.[3.3] In der Regel kauften die Rothschilds die gesamte Tranche von der Regierung auf. Sie trugen allerdings das Vermarktungsrisiko nicht, denn die emittierende Regierung erhielt den Kaufbetrag nur dann in vollständiger Höhe, wenn das Papier vollständig platziert werden konnte. Die Rothschilds waren auf Grund ihres engmaschigen Netzwerkes in der Lage, die Papiere in ganz Europa abzusetzen. Im Unterschied zu einer großen Anzahl ihrer Konkurrenten konnte das Bankhaus Rothschild regelmäßig durchsetzen, dass der Nominalbetrag des Papieres auf britischen Pfund basierte. Der Papierinhaber konnte seine Forderung nicht nur in London einlösen, sondern erhielt Zinszahlungen auch in anderen Ländern, in denen die Rothschilds Niederlassungen unterhielten.

Dieser Wertpapierhandel stellte das Kerngeschäft des Bankhauses dar. Sie waren darüber hinaus auch im Währungshandel aktiv und investierten in Versicherungen, Minen und Eisenbahnen. Zum Ruf des Bankhauses trug wesentlich bei, dass die Rothschilds sehr auf die Kreditwürdigkeit der Emittenten achteten. Die Zahlungszusagen jedes Wertpapiers, das in den 1820er Jahren über ihr Haus platziert wurde, wurden bis gegen Ende der 1820er Jahre erfüllt, obwohl es in der Mitte der 1820er Jahre zu einer massiven Finanzkrise in Lateinamerika kam.[3.4]

Die Rothschild-Brüder

Amschel Mayer Rothschild

Amschel Mayer Rothschild (1773–1855) wurde nach dem Tod seines Vaters neues Familienoberhaupt und übernahm die Leitung des Frankfurter Bankhauses „M.A. Rothschild & Söhne“. Dieses war zugleich auch das Mutterhaus der Rothschildbanken in LondonParisWien und Neapel. Als der vorsichtigste der fünf Söhne Mayer Amschel Rothschilds war er stets um die Liquidität der Bank besorgt, ging Risiken möglichst aus dem Weg und bevorzugte eher kleinere Geschäfte. Außerdem versuchte er die europaweit stark wachsenden Geschäfte der Familie Rothschild abzubremsen, was wiederholt zu Streitigkeiten zwischen den Brüdern führte. Amschel Mayer Rothschild konzentrierte sich auf die Fortsetzung der Tätigkeit als Hoffaktor verschiedener deutscher Fürsten. Die von seinem Vater mit Hilfe von Carl Friedrich Buderus aufgebauten Beziehungen zum Hof des Kurfürstentums Hessen-Kassel spielten dabei eine besonders wichtige Rolle. Daneben war Amschel Mayer Rothschild auch Schatzmeister und Finanzier des Deutschen Bundestages in Frankfurt. Seine guten Beziehungen zu fast allen deutschen Mittel- und Kleinstaaten halfen M.A. Rothschild & Söhne zwischen 1820 und 1830 das Bankhaus Gebrüder Bethmann als im deutschsprachigen Raum führenden Emittenten von Staatsanleihen zu verdrängen. Trotz dieses Erfolges verlor das Mutterhaus in Frankfurt bereits unter der Leitung Amschel Mayer Rothschilds im Vergleich mit den stark expandierenden Rothschildbanken in London und Paris an Bedeutung. Dennoch blieben Letztere offiziell nur Filialen von M.A. Rothschild & Söhne. Solange Gutle Rothschild (* 23. August 1753; † 7. Mai 1849), die Mutter der fünf Brüder Rothschild, noch lebte, war Frankfurt auch weiterhin der Hauptversammlungsort der stetig anwachsenden Familie Rothschild.

Salomon Rothschild

Salomon Rothschild (1774–1855) war der Begründer der österreichischen Linie. Erste geschäftliche Erfolge erzielte er 1815, ab 1820 (Beteiligung an einer Anleihe des Bankhauses Parish) wuchs er in die Rolle des größten Finanziers des metternichschen Regimes und des Deutschen Bundes hinein. Salomon Meyer Rothschild, dem zu Beginn seiner Karriere noch der Besitz von Grund und Boden verboten war und der daher zunächst lange Zeit ein komplettes Hotel gemietet hatte, wurde 1822 zum Freiherrn geadelt und entwickelte sich in der Folge zu einem der größten Grundbesitzer des Landes. 1835 erhielt er die Konzession für die Errichtung der Kaiser Ferdinands-Nordbahn und baute im Zusammenhang auch die Witkowitzer Eisenwerke auf. Die aus seinem Bankhaus 1855 entstandene Creditanstalt stand bis in die 1930er Jahre unter rothschildschem Einfluss.

Nathan Rothschild

Nathan Mayer Rothschild (1777–1836) ging 1799 als Textilkaufmann nach Manchester. 1808 gründete er die Bank N M Rothschild & Sons in London, die noch heute arbeitet. Er wurde dank seiner sorgfältig geplanten und durchgeführten Transaktionen zum einflussreichsten Finanzier der britischen Regierung und begründete die große Rolle des Hauses Rothschild, die es ab 1815 für mindestens fünfzig Jahre in der europäischen Finanzwelt innehatte. Der ungewöhnlich schnelle Aufstieg des Hauses Rothschilds, an dem Nathan Rothschild wesentlichen Anteil hatte, führte zu einer Reihe von Gerüchten über den Finanzier. So kolportierte man bereits 1830, dass Nathan Rothschilds Erfolg auf einen sagenhaften hebräischen Talisman zurückzuführen sei.[3.3] Aus derselben Zeit stammt die unzutreffende Geschichte, nach der Nathan Rothschild durch Kursmanipulationen im Zusammenhang mit der Schlacht bei Waterloo (siehe unten) ein Vermögen gemacht habe. Tatsächlich unterschied sich Nathan Rothschild in seinem Finanzgebaren nicht von dem seiner Konkurrenten (siehe den Abschnitt Aufstieg unter Nathan Mayer Rothschild), besaß aber offensichtlich ein sehr gutes Gespür für die Funktionsweise der Finanzmärkte. Beim schnellen Aufstieg des Hauses Rothschilds spielte außerdem die gute Vernetzung der europäischen Niederlassungen der fünf Rothschild-Brüder eine erhebliche Rolle.

Kalman bzw. Carl Mayer Rothschild

Kalman Rothschild (1788–1855), der sich später Carl Mayer von Rothschild nannte, ging in Salomons Auftrag 1821 nach Neapel. Dort hatte er die Finanzen der österreichischen Truppen zu überwachen. Er eröffnete die sizilianische Rothschild-Dependance, zu deren Kunden unter anderem die Päpste, die Könige von Sizilien, weitere italienische Fürsten und der sardische Ministerpräsident Cavour gehörten. Carl lebte sowohl in Frankfurt als auch in Neapel, wo eines seiner Anwesen, die Villa Pignatelli, Besucher aus ganz Europa anzog. In seinen letzten Lebensjahren führte er die Filiale in Neapel jedoch nur noch von Frankfurt aus. Nach seinem Tod 1855 übernahm sein dritter Sohn Adolphe Carl diese Niederlassung, bis sie 1863 aufgrund der politischen Einigung Italiens geschlossen wurde.

Jakob Rothschild

Jakob Rothschild (1792–1868) war der jüngste der Brüder. Er ging 1812 nach Paris und etablierte dort Rothschild Frères zu einer der ersten Bankadressen und nannte sich fortan James de Rothschild. Als Berater von zwei französischen Königen wurde er der einflussreichste Bankier des Landes. In den folgenden Kriegen unter Napoleon III. spielte er eine wichtige Rolle bei der Finanzierung des Eisenbahnbaus und dem Bau von Bergwerken, was Frankreich dabei half, den wirtschaftlichen Rückschlag nach dem verlorenen Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871 zu überwinden und zu einer Industriemacht zu werden. 1982 wurde die Bank zusammen mit anderen Banken durch die Regierung François Mitterrands verstaatlicht. Das Nachfolgeinstitut Rothschild & Cie Banque ist eine Neugründung durch David René de Rothschild, sie stellt heute den französischen Teil der Rothschild Bankgruppe.

Kommunikation

Im Gegensatz zu heute war es im 19. Jahrhundert sehr schwierig und kostenintensiv, schnell und zuverlässig geschäftsrelevante Informationen zu beschaffen. Somit mussten auch die fünf Söhne von Mayer Amschel Rothschild ihr Informationsnetzwerk in demselben Maß entwickeln und ausbauen, wie sie ihre Aktivitäten über ganz Europa ausweiteten. Beginnend in den letzten Jahren der napoleonischen Herrschaft tauschten die fünf Brüder nahezu täglich private und geschäftliche Korrespondenz aus. Schnell erweiterte man das Netzwerk auch auf außerfamiliäre Personen, in der Regel andere Bankiers, zu denen man besonders vertrauensvolle Geschäftsbeziehungen pflegte (z. B. Sal. Oppenheim in Köln, Bleichröder in Berlin, Lambert in Brüssel). Einige dieser so genannten „Agenten“ gab es auch außerhalb Europas. Während Briefe der Rothschilds untereinander bis in die 1850er Jahre fast ausschließlich im sogenannten Judendeutsch abgefasst waren, schrieben familienfremde Kontaktpersonen meist auf Deutsch und Französisch und ab den 1830er Jahren auch auf Englisch.

Um ein möglichst hohes Maß an Schnelligkeit und Geheimhaltung zu gewährleisten, bauten die Rothschilds ein eigenes, effektives, aber auch kostenintensives Kuriersystem auf. Zum Transport wurden Pferde, Kutschen, Brieftauben und Schiffe eingesetzt, die Geheimhaltung sollte durch Codewörter und Verschlüsselungen gewährleistet werden. Sehr schnell wuchs die Größe und Qualität des Nachrichtensystems der Rothschilds, so dass es nicht nur mit demjenigen von Wettbewerbern, sondern auch mit dem ganzer Staaten vergleichbar war. Der Niedergang setzte erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit der Einführung von Telegrafendiensten ein, da nun Kuriersysteme einerseits technisch überflüssig waren und andererseits größere Bevölkerungskreise nun günstig, schnell und zuverlässig an Informationen gelangen bzw. diese weiterleiten konnten.

Verwandtschaftsheiraten

Als sich aus den Niederlassungen der fünf Söhne Mayer Amschel Rothschilds eigenständige Familienzweige herauszubilden begannen, stieg in der Familie Rothschild das Bedürfnis, den Zusammenhalt auch für die Zukunft zu sichern. Enge Familienbande wurden als Voraussetzung für den Erhalt der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Spitzenposition der Familie betrachtet. Man übernahm daher den in der europäischen Oberschicht bis in das 19. Jahrhundert üblichen Brauch, Vettern und Cousinen des ersten und zweiten Grades gezielt miteinander zu verheiraten (siehe Parallelcousinen- und Kreuzcousinenheirat). Den Anfang machte James de Rothschild am 11. Juli 1824, als er die Tochter seines Bruders Salomon, Betty von Rothschild, in Frankfurt heiratete.

In der Generation der Kinder und Enkel der fünf Brüder wurde die Verwandtschaftsheirat fast zur Regel. Von 21 Ehen, die zwischen 1824 und 1877 von Nachfahren von Mayer Amschel Rothschild abgeschlossen wurden, waren bei 15 beide Ehepartner direkte Nachkommen von ihm.[3.5] So blieb nicht nur der Zusammenhalt gewahrt, auch die beträchtlichen Mitgiften blieben in der Familie. Zudem konnte der Einfluss Fremder auf das Familiengeschäft verhindert und die Beibehaltung des jüdischen Glaubens gesichert werden.

Stammliste

Die fünf Söhne Mayer Amschel Rothschilds wurden 1817 geadelt und 1822 in den österreichischen Freiherrnstand erhoben. Sie gründeten in ausländischen Metropolen wichtige Zweige dieser Dynastie.

Besitz und kultureller Einfluss

Unternehmen

Nachfolgend findet sich eine Auswahl von bedeutenden Unternehmen, an denen die Familie Rothschild eine Mehrheitsbeteiligung oder eine anderweitig bedeutende Beteiligung halten oder gehalten haben:

Weingüter

Die Weingüter der Familie genießen bis heute Weltruf. Nathaniel de Rothschild, dritter Sohn Nathans, erwarb 1853 Château Brane-MoutonJakob Rothschild erwarb 1868, kurz vor seinem Ableben, das renommierte Château Lafite RothschildEdmond de Rothschild wiederum wurde 1873 Eigentümer von Château Clarke und Château Malmaison, im Jahr 1879 erwarb er auch das benachbarte Château Peyre Lebade. Eine Sammlung von über 15.000 Flaschen an Rothschild-Weinen findet sich im englischen Waddesdon Manor, einem in seiner Architektur, Gartenanlage und Kunstsammlung einmaligen Familiensitz der Rothschilds, 1874 errichtet von Ferdinand von Rothschild. Das Weingut Château Lafite-Rothschild steht derzeit unter Leitung von Saskia de Rothschild, der Tochter von Éric de Rothschild.

Schlösser

Schloss Rothschild in Reichenau an der Rax

Mit ihrem Einrichtungs- und Lebensstil waren die Rothschilds stilbildend. Sie begründeten den Goût Rothschild, der sich durch die Verwendung edelster Materialien und opulenter Einrichtungsgegenstände auszeichnete. Häufig wurden Antiquitäten aus der Zeit des Ancien Régime neu verwendet. In der Architektur herrschte bei den Rothschilds der Stil der Renaissance vor.


Link anklicken: https://de.wikipedia.org/wiki/Rothschild_(Familie)


David Rockefeller

US-amerikanischer Bankier und Philanthrop (1915–2017)

David Rockefeller Sr. (* 12. Juni 1915 in New York City; † 20. März 2017 in TarrytownNew York[1]) war ein US-amerikanischer Bankier. Der Milliardär prägte als Oberhaupt der Rockefeller-Familie insbesondere den wirtschaftlichen Erfolg der Chase Manhattan Bank.

David Rockefeller (1984)

Ausbildung und Zweiter Weltkrieg

Bearbeiten

David Rockefeller wurde 1915 als Sohn des Milliardärs John D. Rockefeller, Jr. und Enkel des Ölmagnaten John D. Rockefeller Sr. in der privaten Krankenstation im elterlichen Wohnhaus in New York City geboren. Er wuchs in der größten privaten Residenz der Stadt, einem neunstöckigen Haus in der 10 West 54th Street auf. Das Haus war bestückt mit seltenen antiken, mittelalterlichen und Renaissance-Kunstschätzen seines Vaters. Auf der siebten Etage betrieb seine Mutter Abby Aldrich Rockefeller eine private Galerie für Moderne Kunst. Das Haus wurde später von Davids Vater als Standort für einen Skulpturengarten im Namen und in Erinnerung seiner Frau Abby als Teil des New Yorker Museum of Modern Art gespendet.

Schloss Kykuit, NY, erbaut von John D. Rockefeller Sr., Familiensitz der Rockefellers

Als Kind verbrachte er viel Zeit auf dem elterlichen Landsitz „Kykuit“ in Pocantico Hills im Westchester County.

Rockefeller besuchte die Lincoln School auf der 123. Straße in Harlem. Die 1916 gegründete und von der Columbia University betriebene Schule war die Idee von Abraham Flexner, einem Vorstand des General Education Board und wurde nach der Philosophie des Reformpädagogen John Dewey geführt.

David Rockefellers Großvater John D. Rockefeller Sr. und Vater John D. Rockefeller, Jr.

Im Jahr 1936 absolvierte Rockefeller das College der Harvard University cum laude.[2] Es folgte an gleicher Stelle ein einjähriges Universitätsstudium der Wirtschaftswissenschaften und anschließend ein Jahr an der London School of Economics. Hier traf er zum ersten Mal John F. Kennedy, obwohl sie bereits gleichzeitig in Harvard studiert hatten.[3] Rockefeller arbeitete während dieser Zeit in der Londoner Niederlassung der Chase Manhattan Bank. Um sein Studium abzuschließen, kehrte er in die Vereinigten Staaten zurück und wurde mit seiner Dissertation Unused Resources and Economic Waste (dt.: „Ungenutzte Ressourcen und volkswirtschaftliche Verschwendung“) an University of Chicago promoviert.[4]

Nach Abschluss seines Studiums wurde er für 18 Monate Sekretär des New Yorker Bürgermeisters Fiorello LaGuardia. Die mit einem symbolischen Jahresgehalt von einem Dollar bezahlte und als Praktikantenstelle ausgewiesene Position entsprach faktisch dem unbesetzten Amt des stellvertretenden Bürgermeisters.[5]

Von 1941 bis 1942 diente Rockefeller als Assistent des Direktors des United States Office of Defense, Health, and Welfare Service. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs meldete er sich für den Kriegsdienst, besuchte 1943 zunächst die Offizierschule und wurde 1945 schließlich zum Hauptmann befördert. Er diente in Nordafrika und Frankreich dem militärischen Geheimdienst zum Aufbau nachrichtendienstlicher Strukturen, wobei ihm sein fließendes Französisch und Vorkriegskontakte seiner Familie nach Frankreich halfen. Sieben Monate lang diente er als Assistent des Militärattachés an der Botschaft der Vereinigten Staaten in Paris.[6]

Karriere bei der Chase Manhattan Bank

Bearbeiten

Rockefeller begann 1946 seine Karriere in unterster Position als Assistenzmanager in der Auslandsabteilung der Chase National Bank, die den internationalen Handel von Gütern wie Kaffee, Zucker und Metallen finanzierte. Diese Position beinhaltete auch, Beziehungen mit mehr als 1000 Korrespondenzbanken auf der ganzen Welt zu halten. Er bahnte sich seinen Weg durch die Reihen und wurde 1960 Präsident des mittlerweile in Chase Manhattan Bank umbenannten Finanzkonzerns und damit Nachfolger seines einstigen Förderers John J. McCloy. Von 1969 bis 1980 war Rockefeller Chief Executive Officer (Generaldirektor) der Bank. Zu dieser Zeit hielt er 1,7 % der Anteile und war damit gleichzeitig größter Einzelaktionär der Chase Manhattan.[7]

One Chase Manhattan Plaza (rechts), im Hintergrund 40 Wall Street

Als Vorsitzender des Ausschusses für eine neue Bankzentrale entschied sich Rockefeller 1955 die neue Zentrale der Chase National Bank direkt gegenüber dem Sitz der Federal Reserve Bank of New York in unmittelbarer Nähe zur Wall Street unter seiner Leitung zu errichten. 1961 wurde das neue Hauptquartier, das One Chase Manhattan Plaza, an der Liberty Street im Herzen Lower Manhattans eröffnet. Der 60-stöckige, 248 Meter hohe Wolkenkratzer war zu diesem Zeitpunkt das größte Bankgebäude der Welt und verbarg fünf Stockwerke unter der Erde den damals größten Banktresor der Welt.

In den 1960er Jahren bildete Rockefeller gemeinsam mit anderen Geschäftsleuten das Chase International Advisory Committee, ein bis 2005 bestehendes Gremium aus 28 prominenten und angesehenen Geschäftsleuten aus 19 Nationen. Mit vielen von ihnen verband Rockefeller eine persönliche Freundschaft. Er war, bis er 1999 in den Ruhestand ging, Vorsitzender des Komitees. Nach der Chase-Fusion mit JP Morgan zu JPMorgan Chase & Co. wurde dieser Ausschuss in International Council umbenannt und beherbergt weiterhin prominente Persönlichkeiten wie Henry Kissinger, Riley P. Bechtel (Vorsitzender der Bechtel Corporation), Andre Desmarais, Lee Kuan Yew und den derzeitigen Vorsitzenden George P. Shultz (Finanzminister von Präsident Richard Nixon). Weitere internationale Mitglieder des IAC waren der langjährige Chase-Banker und Fiat-Chef Giovanni Agnelli, John Loudon (Vorsitzender der Royal Dutch Shell), C. Douglas Dillon (US-Finanzminister unter den Präsidenten John F. Kennedy und Lyndon B. Johnson), David Packard (Gründer von Hewlett-Packard) und Henry Ford II.[8] Seit den 1960er Jahren bestehen enge Verbindungen zwischen den Familien Rockefeller und Rothschild. Im Mai 2012 stieg Jacob Rothschild mit seiner Bank RIT Capital Partners PLC als Aktionär bei Rockefellers Rockefeller Financial Services ein.[9]

Unter Rockefellers Führung stellte sich die Chase Manhattan Bank international breiter auf und wurde zu einem zentralen Pfeiler des internationalen Finanzsystems. Sie besaß zeitweise rund 50.000 Korrespondenzbanken und ist die größte Bank der Welt. 1973 gründete sie in der Nähe des Moskauer Kreml als erste amerikanische Bank eine Filiale in der damaligen Sowjetunion.[10][11]

Im Jahr 2003 war Rockefeller Ehrenmitglied der Jury für den World Trade Center Site Memorial-Wettbewerb. 1958 wurde er Gründer und Vorsitzender der Downtown – Lower Manhattan Association, die den Bau des World Trade Centers initiiert hatte. Zur Seite standen ihm damals sein Bruder Nelson, der damalige Gouverneur von New York, sowie der einflussreichste Stadtplaner der New Yorker Geschichte, Robert Moses.[12]

Rockefeller starb am 20. März 2017 in seinem Haus in Pocantico Hills, New York, im Schlaf an kongestivem Herzversagen. Er war 101 Jahre alt.[7]

Vermögen

Bearbeiten

Rockefeller lag 2012 mit einem geschätzten Privatvermögen von 3,1 Milliarden US-Dollar auf Platz 491 der reichsten Menschen der Welt.[13] Er besaß eine große Sammlung zeitgenössischer und moderner Kunst[13] sowie eine der umfangreichsten Käfersammlungen der Welt.[13] Im Mai 2018 fand bei Christie’s im Rockefeller Center eine dreitägige Auktion von Rockefellers Kunstsammlung statt, die den Rekorderlös von 830 Millionen Dollar erbrachte. Damit ist es die bisher teuerste Privatkollektion, die je versteigert wurde. Die erlöste Summe soll an das von seiner Mutter Abby mitgegründete Museum of Modern Art und die Rockefeller University gespendet werden.[14] Schon zu Lebzeiten hatte David Rockefeller Hunderte von Millionen Dollar für Kunst, Medizin und Bildung gespendet.[15]

Politikberatung

Bearbeiten

Rockefeller fungierte 1946/1947 als Sekretär einer vom Council on Foreign Relations (CFR) organisierten Diskussionsrunde unter dem Titel Reconstruction of Western Germany.[16] und war von 1949 bis 1985 Direktor, von 1950 bis 1970 Vizepräsident und von 1970 bis 1985 Vorstandsvorsitzender des CFR.[17] Mit Henry Kissinger, den er 1954 beim CFR-Arbeitskreis zum Thema Kernwaffen kennenlernte, verband ihn eine ähnliche politische Perspektive.[18] Die Beziehung der beiden entwickelte sich und Kissinger wurde Kuratoriumsmitglied der Stiftung Rockefeller Brothers Fund. Rockefeller beriet sich bei zahlreichen Gelegenheiten mit Kissinger, wie zum Beispiel wegen der Interessen der Chase Manhattan Bank in Chile und der Bedrohung für die Bank durch die Wahl von Salvador Allende zum Präsidenten im Jahre 1970.[19] Ebenso konsultierte Rockefeller Kissinger und unterstützte diesen bei seiner „Öffnung von China“-Initiative im Jahr 1971, die unter anderem beinhaltete, Banken wie der Chase Manhattan Bank Chancen in China zu gewähren.[20] Rockefeller unterstützte mehrere US-Präsidenten als inoffizieller Emissär auf allerhöchster Ebene bei diplomatischen Missionen. Jimmy Carter bot ihm die Positionen des US-Finanzministers und den Vorsitz der US-Zentralbank Federal Reserve an, was Rockefeller aber stets ablehnte. Auf Grund seiner Verbindungen konnte er Brücken trotz unterschiedlicher Interessen auf der ganzen Welt schlagen, selbst zu Persönlichkeiten wie Fidel Castro, dem Schah von PersienNikita ChruschtschowMichail Gorbatschow und Saddam Hussein.

1979 überzeugte Rockefeller zusammen mit McCloy, Kissinger und anderen den US-Präsident Jimmy Carter davon, den schwer krebskranken ehemaligen Schah von Persien ins Land zu lassen, damit er sich im NewYork-Presbyterian Hospital behandeln lassen konnte. Diese humanitäre Geste wurde vom Chomeini-Regime zu antiamerikanischer Agitation instrumentalisiert, so dass wenig später iranische Studenten die US-Botschaft in Teheran stürmten und für 444 Tage 52 US-Diplomaten als Geisel nahmen.[21]

1952 veröffentlichte der New Yorker Arzt und McCarthy-Anhänger Emanuel Josephson ein Pamphlet gegen den angeblichen „Internationalisten“ Rockefeller, dem er vorwarf, seine ökonomische Macht und seine vielfältigen Beziehungen zu missbrauchen.[22] Seitdem wurde Rockefeller immer wieder Gegenstand von Verschwörungstheorien, die ihm unterstellten, gemeinsam mit der Sowjetunion die Weltherrschaft anzustreben.[23] Als Rockefeller sich 1980 in einem Artikel in der New York Times dagegen verwahrte, als „Mastermind einer internationalen Verschwörung“ hingestellt zu werden, deuteten Verschwörungsgläubige dies nur als weiteren Beweis seiner Schuld.[24] Mit Ende des Kalten Krieges wandelte sich die Ausrichtung der Vorwürfe: Nun wurde behauptet, Rockefeller und das Council on Foreign Relations strebten eine sozialistische Eine-Welt-Regierung an, wobei sich insbesondere die rechtsradikale John Birch Society hervortat.[25]

Auszeichnungen

Bearbeiten

Familie

Bearbeiten
Nelson Rockefeller

David Rockefeller heiratete am 7. September 1940 Margaret „Peggy“ McGrath (* 28. September 1915; † 26. März 1996), Tochter eines Partners einer befreundeten Wall-Street-Anwaltskanzlei. Sie hatten sechs gemeinsame Kinder und bis 2002 zehn Enkel:

  • David Rockefeller Jr. (* 24. Juli 1941) mit Ariana & Camilla
  • Abby Rockefeller (* 1943) mit Christopher
  • Neva Rockefeller Goodwin (* 1944) mit David & Miranda
  • Peggy Dulany (* 1947) mit Michael
  • Richard Rockefeller (1949–2014) mit Clay & Rebecca
  • Eileen Rockefeller Growald (* 1952) mit Danny & Adam

David Rockefeller hatte vier ältere Brüder:

Rockefeller besaß seit 1948 ein Stadthaus in Manhattan (Upper East Side) 146 East 65th Street[32][33], sowie einen Landsitz „Hudson Pines“[34] in Sleepy Hollow (New York).

  • David Rockefeller: Erinnerungen eines Weltbankiers. Autobiographie. Finanzbuch-Verlag, München 2008, ISBN 978-3-89879-327-8.



Link anklicken: https://de.wikipedia.org/wiki/David_Rockefeller






Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.

Das analysieren

                    Das analysieren  Während wir über Gott und die Welt nachdenken ... Während über Probleme nachdenken ... Während wir Phän...